DJ KOZE: Neues Konzept-Album „Reincarnations Part 2″

DJ KOZE REINCARNATION

Der in Hamburg lebende DJ Koze, der seinen Start in der Musikszene mit der Hip-Hop Band Fischmob hatte, entdeckte parallel zur Band seine Leidenschaft für Remixe und elektronische Musik, gerne kombiniert mit typischen Elementen/Beats/Samples aus anderen Musikstilen.

Sein am 24. Oktober (heute) erscheinendes Album Reincarnations 2 ist ein Konzept-Album. Und zwar ein richtig gutes! Er remixt auf dem Album unter anderem Titel von Matthew Herbert, Caribou, Gonzales, Ada, Soap & Skin Machine, Moderat und Apparat. Nach dem chillig-lustigen Intro in India-English, der das „Konzept“ des Albums erklärt, heisst es zum Schluß des Intros: Turn on the volume und pray for the pure premium man!

Man* muss seinen ironischen und selbst überhöhenden Humor nicht mögen, aber  er passt zu seinem Stil als DJ und – ich mag den Humor.

Die flockig-poppige Nummer „Jo Gurt“ von Super Flu ist sphärisch angehaucht und fliesst angenehm dahin, ohne zu langweilen. Von Matthew Herberts sind gleich zwei Titel vertreten: „It´s Only“, eine klassische Soft-House Club-Style-Nummer in dem er Interludes als Dialoge zwischen ihm und einem DJ über sich einfügt (besagte Selbstironie!)  und das auch poppig daherkommt.  Es folgt das richtige coole „You Saw It All“, ein Stilmix aus Pop, Schlager, House und einem Hauch Jazz sowie Soul.

Der Caribou-Remix „Found Out“ ist düster, endlosschleifen-tanzbar, und wieder sehr clubby, wirkt dynamischer als das Original des Kanadiers. Der „Golden Song“ von Zwanie Johnson ist jazzig durchwachsen und damit wesentlich spannender als das Original und beginnt leicht atonal, erinnert zunächst  Laurie Anderson, um dann in von sanften Bläser-Riffen und Bassgitarre geprägten Stil, der an  den60/70er Jahre US-Beach-Sound  erinnert, zu driften: Gelungen! Und mein absoluter Lieblingssong auf dem Album, dicht gefolgt von seinem ebenfalls überzeigenden Remix des ohnehin großartigen Songs  „Bad Kingdom“ von Moderat, beim dem ich eine „Verbesserung“ extrem schwierig finde, die aber leichtklingend gelingt.

Hörprobe von Bad Kingdom.

Gonzales Song „Knight Moves“ interpretiert er im 90er Jahre Bass-Style mit passender Orchestrierung (Kopfkino: tiefergelegtes Auto, offene Fenster, durch Miami fahrend, erinnert an TLC). Ada`s „Faith“ ist von einem treibenden dumpfen Bass-Beat dominiert, Zwerchfell-orientiert, und der „Marche Funebre“ von Soap & Skin wieder sphärisch, verspielt, abrupt, aber mit trotzdem harmonisch wirkenden Sound-Spielereien mit System, die faszinieren, nie total überdreht wirken, aber trotzdem eine angenehme crazyness bieten.

DJ Koze hat ein Talent, spannende Titel auszusuchen, ihnen mit Respekt zu begegnen und mit seinen Interpretation nicht den Charakter zu rauben, sondern sie einen Tick spannender, verspielter, intellektueller, tanzbarer zu machen, je nach Titel. Das überzeugt, das Album ist nicht durchgehend tanzbar, aber dafür der perfekte Soundtrack für lange U-Bahn-Fahrten, im Auto oder im bequemen Sessel zu Hause.

Bewertung: *****

Erschienen bei Pampa Records .