Kategorie-Archiv: Politik

Klimawandel: Bio-Kaffee aus Sachsen-Anhalt

©MM|04.2014 Kaffee aus Sachsen-Anhalt...
©MM|04.2014 Kaffee aus Sachsen-Anhalt…

Im Regal eines Berliner Kaufhauses habe ich Kaffe gefunden, Bio, Fairtrade und laut Bezeichnung aus Sachsen-Anhalt. Ich wusste bisher noch nicht, dass in den begünstigten Lagen der sachsen-anhaltinischen Berge (Qualität mit Siegel!) mittlerweile Bio-Kaffee unter Fair-Trade Bedingungen angebaut und vertrieben wird. ^^

Der Klimawandel ist wohl schon weit fortgeschritten. Sollte mir die Plantage mal anschauen fahren…

Sterben für billige T-Shirts

©MM|04.2014 Textilarbeiter Pakistan
©MM|04.2014 Textilarbeiter Pakistan

Baulich marode Textilfabriken: Alltag in Asien

Vor genau einem Jahr kamen 1124 Arbeiter_innen einer maroden Textilfabrik in Sabhar/Bangladesh bei deren Zusammensturz ums Leben, 2438 wurden zum Teil schwer verletzt.  322 gelten noch als vermisst. Auch im Jahr davor (2012) gab es bereits Brände mit Toten in einer Fabrik, ein Aufschrei ging durch die Medien, aber mehr ist nicht passiert. Die Überlebenden des Unglücks, die meisten von ihnen sind nicht mehr arbeitsfähig, warten bis heute auf eine Entschädigung, die Zusagen deutscher Hersteller_innen, in einen Fond einzuzahlen, der den Opfern helfen soll, wurden nur von wenigen Betrieben eingehalten.

Plakataktion in Berlin

In der Hauptstadt gibt es immer mal wieder in U-Bahnstationen einzelne Plakate, die auf die Situation von Arbeiter_innen in der Textilbranche hinweisen. Viele Kunden, so Menschenrechtler, scheinen sich keine Gedanken zu machen, warum ein T-Shirt oder eine Hose so billig angeboten werden können.  In Ländern, wo große Discounter wie zum Beispiel kik , aber auch große Marken ihre hier hochpreisig angebotene Designermode  billigst herstellen lassen, um die Margen für sich und den Handel maximal attraktiv zu gestalten, scheint es egal zu sein, welche physischen und psychischen Auswirkungen das auf die Menschen, die das Produkt herstellen, hat. Und ob sie sich und möglicherweise noch ihre Familie davon ernähren können.

Arbeitsbedingungen in Asien, insbesondere in Bangladesh, Indien, und Pakistan sind dramatisch menschenunwürdig

Krishanti, ein junger Mann aus Bangladesh, arbeitet zwischen 12-14 Stunden pro Tag in engen, dunklen Räumen, mit schlechter Belüftung und zusammen mit vielen anderen Arbeiter_innen. Die meisten verzichten auf ihre vier freien Tage im Monat, um noch ein paar Cent mehr zu verdienen. Krishanti verdient rund 60€ im Monat für bis zu 300 Stunden Arbeitszeit, manche Fabriken bezahlen nur 50€/Monat für die Arbeiterinnen. Die Arbeitskosten betragen in China „immerhin“ noch  $1,44/Stunde, in Bangladesh sind es nur $0,32/Stunde.  Seit Jahren sind die Arbeitsbedingungen bekannt, die Discounter kik, Adler, Ernsting’s Family, C&A und Mango standen schon mehrmals im Rampenlicht,  aber geändert hat sich bisher kaum etwas. Der Preisdruck auf die asiatischen Textilfabriken bleibt hoch, auch viele deutsche Großkund_innen wollen nicht mehr für die Textilien bezahlen.

Zusammenhänge

Neben dem heutiges Jahrestag des Unglücks in Sabhar gibt es aber einen weiteren Grund, das Thema nochmals aufzugreifen. In der Berliner U-Bahn hörte ich einer denkwürdigen Auseinandersetzung zu.  Eine Mutter sagte ihrem quengeligen Sohn : „Wenn du nicht aufhörst zu schreien, schicke ich dich nach Indien und da musst du  viel arbeiten gehen für wenig Geld anstatt zu schreien. Wie der Junge da auf dem Plakat“. Ich hätte schreien können in dem Moment. Erstens, weil das mit der Arbeit und der bringen Bezahlung zwar wahr, aber so kein Thema einer „Erziehung“ sein sollte, und zweitens, weil die Arbeitsbedingungen auch hier in Europa, in Deutschland, in Berlin in manchen Branchen prekär sind. Menschen, die so wenig Geld verdienen, dass sie auf billige Textilien bei Discountern angewiesen sind, weil sie sich nichts anderes leisten können.  Genau so funktioniert eben der Kreislauf: Lohndumping führt zu mehr Nachfrage nach billigen Produkten. Diese Nachfrage wiederum verführt Arbeitgeber_innen dazu, die Löhne weiter zu drücken bzw. die allgemeinen Arbeitsbedingungen nicht zu verbessern. Warum auch? Die Politik in den Produktionsländern schaut weg und lässt sich mit „Geschenken“ von grossen Konzernen von der Misere im eigenen Land ablenken. Hier in Deutschland schaffen es Wähler_innen und Politiker_innen noch nicht einmal, Druck auf die Arbeitgeber_innen aufzubauen, um Männer und Frauen gleich und dazu auch noch mit Löhne zu bezahlen, die ein menschenwürdiges unabhängiges Dasein  in unserer teuren Gesellschaft ermöglichen. Da erscheint es vielen wohl nebensächlich, in welchem Zusammenhang viele Dinge stehen und das auch Verbraucher_innen durch bewussten Einkauf und durch ihre Wähler_innenstimme und Unterstützung von Organisation wie  Kampagne für Saubere Kleidung etwas tun können. Auch wenn eins wenig Geld hat.